Vera Hillyard wurde als eine der letzten Frauen in England 1950 gehenkt. Seitdem überschattet dieses Ereignis das Leben der Familie Longley. Denn: »Mord ist eine Sache der ganzen Familie. Er zeichnet das Kainsmal auf viele Stirnen.« Jahre später versucht die Nichte, Licht in die Vergangenheit zu bringen. Ist sie wirklich die geborene Mörderin?
Faith erinnert sich an Vera Hillyard, die kurz nach dem Krieg wegen Mordes zum Tod durch den Strang verurteilt und hingerichtet wurde: »Nach über einem Vierteljahrhundert ist sie in mein Leben zurückgekehrt. Hier ist sie nun, ein linkischer Gast, wie immer, wenn sie nicht unter ihrem eigenen Dach war. Ich sehe sie fast vor mir, nicht jene junge, blonde, ernsthafte Vera von den Photographien, sondern meine magere, nervöse, pingelige und nur zu oft lächerliche Tante.« Der Fall Hillyard wird wieder aufgerollt. Briefe, Interviews, Erinnerungen, alte Photographien fügen sich zum Psychogramm eines Falles, einer Familiensaga des Wahnsinns. Schicht um Schicht entblättert Barbara Vine die Scheinidylle eines englischen Dorfes, löst zähe Knoten familiärer Verflechtungen und entblößt schließlich ein Moralkorsett, dessen psychischer Druck nur noch mit Mord gesprengt werden konnte.