Eine Literaturgeschichte, die einzigartig ist, weil sie dem tragischen Urgrund aller Dichtung nachspürt und die Frage beantwortet: Was macht einen Menschen zum Künstler? Anhand von Beispielen aus der gesamten Weltliteratur entsteht eine Galerie großer Geister und ihrer Werke auf dem Hintergrund ihrer persönlichen Tragödien.
Eine Literaturgeschichte von 1948 ist veraltet, nichts ist trockener als Werke von Literaturprofessoren. Bei Walter Muschg und seiner 'Tragischen Literaturgeschichte' stimmen diese Vorurteile nicht. Denn der Ansatz dieses Standardwerks, das bei Erscheinen »Furore machte« ('Neue Zürcher Zeitung'), war so neuartig, dass er zeitlos aktuell geblieben ist. Die 'Tragische Literaturgeschichte' stellt den Künstler als Menschen in den Mittelpunkt und sagt dadurch mehr über das Wesen der Literatur als ganze Regale akademischer Fachbücher. Und Muschg schreibt so anschaulich und erzählerisch, wie man es sonst nur von Egon Friedells Kulturgeschichte kennt. Fern aller bloßen Aufzählung und leeren Theorie geht Muschg der Frage nach, was einen Menschen zum Schriftsteller macht. Er unterscheidet drei 'Urformen' des Dichters - den Magier, den Sänger und den Seher - und illustriert sie exemplarisch von der Antike bis zur Moderne. Baudelaire, Dante, Eichendorff, Flaubert, Goethe, Gotthelf, Hölderlin, Kafka, Kleist, Nietzsche, Schiller, Shakespeare oder Stifter - anhand von Beispielen aus der gesamten Weltliteratur formt Muschg, ebenso belesen wie sprachgewaltig, eine 'Tragische Literaturgeschichte': »Das Wort 'tragisch' will auch als 'menschlich' verstanden werden. Das Menschliche ist der einzige Gedanke, an den wir die Dichtung ehrlicherweise noch anknüpfen können«, so Walter Muschg im Vorwort. »Wohl wünschte ich, dass ein Mal einer eine 'Tragische Literargeschichte' versuchte«, hatte einmal Arthur Schopenhauer notiert. Walter Muschg kannte dieses Zitat nicht, als er sein Opus magnum schrieb, und erfüllte die Aufgabe dennoch mit Bravour: »Erst heute wird sichtbar, wie modern Muschgs maßvoll psychologische, der Kunst eine existentielle Dimension zuerkennende und von Liebe und Engagement getragene Forschungsmethode gewesen ist.« (Bertelsmann Literaturlexikon)