Hundertzehn Jahre nach ihrer amerikanischen Erstpublikation erscheint die erste klassische Filmtheorie in einer revidierten, reichhaltig kommentierten und erweiterten deutschen Ausgabe. Damit liegt ein Schlu?sseldokument zur Geschichte der Filmtheorie und Medialität im 20. Jahrhundert neu vor. Der Band wird durch die weiteren Schriften Hugo Mu?nsterbergs zum Kino und eine Auswahl zeitgenössischer Texte und Dokumente zur Rezeption ergänzt. »Das Lichtspiel« (Originaltitel »The Photoplay«, 1916) gilt als erste Monografie zur Psychologie und Ästhetik des Films mit akademischem Gepräge. Ihr Autor, der deutschstämmige Hugo Mu?nsterberg (1863-1916), Professor an der Harvard University, hatte sich als Philosoph, experimenteller Wahrnehmungspsychologe und Mitbegru?nder der angewandten Psychologie einen Namen gemacht. Wie keinem anderen gelang es ihm, klassische Ideen der Ästhetik mit einem positiven Blick auf die Welt der industrialisierten Moderne zu verbinden, der dem amerikanischen Optimismus entsprach. Dieser Bru?ckenschlag kennzeichnet auch »Das Lichtspiel«. Der revolutionäre Ausgangspunkt dieser Studie liegt beim Film als Wahrnehmungsdispositiv, bei der Verknu?pfung medialer und mentaler Funktionen. Die Nähe zur fru?hen Gestaltpsychologie und zum Denkgestus der »Psychotechnik« Mu?nsterbergs verbindet sich mit einem idealistischen Konzept von Filmkunst, das nicht nur jenem State of the Art des zeitgenössischen amerikanischen Kinos gerecht wird, sondern sich auch als beziehungsreich im Hinblick auf viele spätere Film- und Medientheorien von Arnheim bis Baudry erweisen sollte.