Alfred Andersch und Max Frisch, zwei der bedeutendsten Schriftsteller ihrer Zeit, verband eine komplizierte »Arbeitsfreundschaft«. Ihr Briefwechsel, sorgfältig ediert und versehen mit umfangreichem Bildmaterial, zeugt vom politischen Zeitgeist, vom schriftstellerischen Anspruch und dem Temperament dieser zwei so unterschiedlichen Literaturgiganten.
Alfred Andersch und Max Frisch begegneten einander zum ersten Mal 1957 im legendären Café Odeon in Zürich. In seiner Funktion als Rundfunkredakteur bittet Andersch den drei Jahre älteren Frisch um einen Ausschnitt aus dem eben fertiggestellten Roman 'Homo faber'. Kurz darauf schreibt Frisch einen ersten Brief; die Korrespondenz wird intensiver Anfang der sechziger Jahre, als Frisch seine Familie verlässt und mit Ingeborg Bachmann in Rom zusammenlebt. 1965 übersiedelte Frisch mit seiner neuen, jungen Liebe Marianne Oellers, seiner künftigen Ehefrau, ins Tessin, nach Berzona, wo die Anderschs seit 1958 ein Haus besaßen. Er wohnte in illustrer Gesellschaft: Neben Alfred Andersch lebten auch Golo Mann und der Grafiker Jan Tschichold in dem kleinen Bergdorf. Man ging gemeinsam wandern, traf sich im Lebensmittelladen auf ein Schwätzchen. Doch die Idylle währte nicht lange, die Spannungen zwischen den beiden streitbaren Geistern Frisch und Andersch nahmen zu, bis hin zum zeitweiligen Abbruch jeglicher Beziehung durch Andersch.
»Was politisches Bewußtsein ist, was es hervorbringt (neben den biographischen Unkosten) bei einem Schriftsteller, zeigt uns das literarische Werk von Alfred Andersch: exemplarisch in seiner Spannweite bewußter und verbindlich-gelebter Widersprüche.«